Austrian-Compliance-Enquete 2018: Eventbranche formuliert Laxenburger Appell

Austrian-Compliance-Enquete 2018: Eventbranche formuliert Laxenburger Appell

Ein schwammig formuliertes Korruptionsstrafgesetz ohne Kennzahlen verunsichert Firmen Event-Einladungen anzunehmen und führt zu einem drastischen Rückgang beim Verkauf von Tickets. Deshalb wurden bei der Austrian-Compliance-Enquete im „Laxenburger Appell“ drei Forderungen von der Veranstaltungsbranche formuliert.

WKO NÖ - Freizeit- und Sportbetriebe

Die Austrian-Compliance-Enquete 2018 für Event- und Tourismus-Management hat es mehr als deutlich gemacht: Die Einbußen beim Event-Package-Verkauf, speziell im VIP-Ticket-Bereich, sind signifikant und bereits existenzbedrohend. „Gleich vorweg, damit keine Missverständnisse aufkommen: Niemand von uns will das Anti-Korruptionsgesetz abschaffen“, erklärt Gert Zaunbauer, Obmann der Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) und Veranstalter der Enquete. Jedoch sei nun der Event-Branche der Kragen geplatzt, weil Top-ManagerInnen bei Einladungen immens verunsichert sind, diese anzunehmen. Die Nerven der firmeninternen Compliance-Officer liegen oft blank und für Marketing-Abteilungen gleicht es einem schweißtreibenden Drahtseilakt, honorige Ehrengäste und relevante Würdenträger zu einem Event für effizientes Networking zu bekommen. „Eine ganze Branche steht unter Generalverdacht, dass sie VIP-Loungen als Brutstätten von Korruption und Packelei zur Verfügung stellt“, ärgert sich Zaunbauer. Für die Enquete-Teilnehmer seien die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen nichts anderes als eine Blendgranate, die von der eigentlichen „Offshore-Korruption & Co.“ ablenken soll.

8,9 Mrd. Euro Umwegrentabilität für Österreich in Gefahr

Nicht außer Acht zulassen ist die volkswirtschaftliche Komponente des Veranstaltungswesens. „Der vorjährigen IHS-Studie zufolge trägt unsere Branche knapp 9 Mrd. Euro an Umwegrentabilität zum BIP bei und beschäftigt über 140.000 Mitarbeiter. Weiters sind Mega-Events im TV ein wesentlicher Image- und Werbeträger im Ausland für den heimischen Tourismus“, betont Erik Kastner, Vorsitzender der Eventnet.Austria. „Das Korruptionsstrafrechts drängt das Veranstalterwesen buchstäblich in die Ecke“, betont auch Hubert Neuper, der für die Zukunft der Schiflug WM am Kulm schwarz sieht. Ähnlich formuliert es der emba-Präsident Mag. Martin Brezovich: „Die aktuelle Regelung ist ein Anschlag auf den Wirtschafts- und Tourismusstandort Österreich. Einer ganzen Branche, die mit einzigartigen Eventformaten wesentlich zur touristischen Bewerbung Österreichs beisteuert, wird das Leben unnötig schwer gemacht.“. „Die Event-Branche braucht dringend ein alltagstaugliches Compliance-Gesetz. Die Verunsicherung in den Firmen – welche Einladung kann ich annehmen, welche nicht – ist geschäftsschädigend und damit existenzbedrohend geworden,“ hält auch Hermann Wurzenberger, der Schladminger Schi-WM-Profi und Geschäftsführer der Show Express GmbH, mit seinen Befürchtungen nicht hinter dem Berg.

Die Lösung liegt oft sehr nahe

Österreich liegt im Korruptionsindex lediglich auf Platz 16 und hat mit dem „Anfütterungsverbot“ (=verbotene Geschenkannahme mit Nulltoleranz) das strikteste Gesetz. Länder wie Dänemark und die Schweiz haben je einen Top-3 Platz beim Index und kennen den Anfütterungsparagraphen nicht. Agentur-CEO Frank Marreau dazu: „Wird ein Kunde zu einem Event in der Schweiz eingeladen, ist das noch lange nicht automatisch mit Korruption verbunden. In der Schweiz gehört dies zum guten Ton – sofern Werte, Normen und Moral auf Basis des Obligationenrechts eingehalten werden.“ Ähnliches konnte auch der Vortragende aus Kopenhagen Niels Gade-Jacobsen aus seinem Land berichten.

Sportlegende Hubert Neupert ist verzweifelt: „Wir Veranstalter sind abhängig von Firmen, die bei uns Karten kaufen und Kunden zu Events einladen. Das geht in der Schweiz und Dänemark, nur bei uns nicht – warum? Allein der Kulm-Event zeigt Österreich 48 Millionen Menschen in aller Welt von der besten Seite und das wird seitens einer neidgetriebenen Gesetzgebung bald zerstört sein“. Ebenso sieht es die WKO-Spartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher: „Der österreichische Tourismus lebt auch von seiner einzigartigen Gastfreundschaft und Einladungskultur. Diese dürfen nicht durch überbordende Compliance Regeln eingeschränkt werden. Auf den Punkt gebracht: Wir brauchen, um den Tourismus zu stärken, punkto Korruptionsgesetzgebung dringend eine Änderung hinsichtlich Alltagstauglichkeit und Rechtssicherheit.“ Und Zaunbauer erweitert: „Ja, es muss sich was verändern. Entweder eine Gesetzesangleichung in Richtung Dänemark bzw. Schweiz oder ein alltagstaugliches Gesetz mit eindeutigen Kennzahlen, an die sich jeder halten kann.

Der Laxenburger Appell mit den Branchen-Forderungen

Bei der Austrian Compliance Enquete geht uns darum, aufzuzeigen, was falsch läuft und wo massive Probleme für unserer Branche vorherrschen“, betont Obmann Gert Zaunbauer. Ergebnis der Enquete ist der Laxenburger Appell: Die Forderung nach einem Commitment der Regierung zum Erhalt von werbewirksamen Groß-Events als Visitenkarten von Österreich.

Konkret einigte sich die Branche auf drei Hauptforderungen:

  1. Klare Bestimmungen im Korruptionsstrafgesetz, mit denen Firmen sowie Veranstalter arbeiten können. Etwaige mit einer Bagatellgrenze und einer Obergrenze, wie es mit 1.000 CHF eben in der Schweiz diskutiert wird.
    Um mehr Transparenz in die Geschenkannahme von Events zu erhalten, kann sich die Branche eine Punkteliste nach green-event-Vorlage zu jeder Veranstaltung vorstellen, um die personenbezogene Zuwendung einer Einladung zu bemessen.
  2. Streichung des Anfütterungsparagraphen gemäß dänischem und schweizerischen Vorbild.
  3. Der Begriff „Amtsträger“ muss konkretisiert werden, da 43% aller ÖsterreicherInnen vor dem Gesetz Amtsträger betroffen sind. Somit dürfte fast jeder zweite Bürger, vom Feuerwehrmann bis zum ORF-Portier, nicht zu einer Jubiläumsfeier oder einem feierlichen Dankesabendessen eingeladen werden. Die Branche schlägt hier eine Amtsträger-Bezugspyramide vor.

Weitere Unterstützer dieser Forderungen sind: Ursula Hüttner / Studio44, Birgit Passler / Fa. Passd, Prof. Gerhard Skoff / Donautourismus, Mag. Manfred Katzenschlager / WKO, Gerhard Span / FV-WKO, Gerti Schmid / WKW, Matthias Koch / WKO, Ivo Franschitz / Enited GmbH, Daniel Wiesinger / MCI-Austria, Ferry Polai / WKT, Markus Eigelsreiter, Christian Schrefel, EVENTFEX und viele mehr.

Fotocredit: Gregor Nesvadba im Auftrag der WKNÖ

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