In Baden wurde 10 Tage lang auf 360 Tonnen Sand gebaggert

In Baden wurde 10 Tage lang auf 360 Tonnen Sand gebaggert

Von 6. bis 16. Juni fanden in Baden das FIVB World Tour Baden Open und die Beachvolleyball U18 EM statt. Wir haben mit Nicolas Hold – dem GF der Eventagentur Vision05 – über die Herausforderungen bei der Austragung eines internationalen Sport(groß)events in einem der schönsten Freibäder Europas gesprochen.

EVENTFEX: Seit 2004 organisiert Vision05 im Strandbad Baden, dem Bad mit dem größten Sandstrand Österreichs, zwei internationale Beachvolleyball Events in Österreich. Was sind die besonderen Herausforderungen für den Veranstalter, in einem öffentlichen Strandbad mit laufendem Badebetrieb ein Großevent umzusetzen?

Nicolas Hold: Die besondere Herausforderung ist mit Sicherheit, dass wir das Stadion und die sogenannte Tradevillage in einem sensiblen Bereich im Strandbad Baden aufbauen. Neben den hohen Anforderungen zur Sicherheit spielt auch das Zeitmanagement eine zentrale Rolle. Der Auf- und Abbau muss innerhalb von wenigen Tagen über die Bühne gehen. Das erfordert sehr gute Planung und ein perfektes Zusammenspiel aller Gewerke.

Zum einen wird spezielle Infrastruktur für 200 AthletInnen und Begleitpersonal geschaffen. Zum anderen wird ein Stadion mit 1.500 Sitzplätzen, VIP Gastronomie, Küche, Bars und eine eigene Promotionvillage aufgebaut. Und das alles bei laufendem Badebetrieb (!) mit sehr beschränkten Zufahrtsmöglichkeiten. Die Gäste des Bads dürfen so wenig wie möglich gestört werden und die Sicherheit für jeden einzelnen Badegast muss neben LKWs, Kränen, Baggern und Staplern zu jeder Zeit zu 100 Prozent gewährleistet sein!

Da wird vielleicht auch der eine oder andere Interessenskonflikt entstehen?

Hold: Ja, wir sind auch immer sehr bemüht alle Anliegen ernst zu nehmen! Eine eigens dafür installierte Krisenhotline, bei der geschultes Personal die Probleme von Badegästen und Anrainern bearbeitet und bestmöglich löst, steht die letzten Jahre während der gesamten Veranstaltung zur Verfügung.

In Punkto Sicherheit arbeiten wir eng mit der Stadt Baden, der Badeleitung und der Stadtpolizei zusammen. Es gibt natürlich auch ein eigenes Sicherheitskonzept. Grundsätzlich ist das gesamte Gelände des Strandbades für bis zu 7.000 Badegäste ausgelegt, dementsprechend professionell ist das gesamte Team vor Ort.

Von Beginn an verlässt man sich im Stadionbau auf die Expertise des Marktführers Nüssli. Die Umsetzung der Tribüne entwickelt sich auch ständig weiter. Was sind die Faktoren, die hier laufend einfließen und was waren über die Jahre entscheidende Veränderungen in der baulichen Umsetzung?

Hold: Wir versuchen natürlich immer Trends zu erkennen und umzusetzen. Begonnen hat alles mit einer kleineren Sitzschalentribüne. Aber das Stadion wuchs Jahr für Jahr und auch die Anforderungen haben sich geändert. Heute setzen wir auf eine Sitzreihentribüne mit geschlossenen Kurven, das ist sehr positiv für die Dynamik im Publikum. Durch eine lebhafte Interaktion mit dem Moderations- und Entertainmentteam entsteht dann die ganz besondere Stimmung im Stadion.

Zusätzlich schafften wir dieses Jahr auch wieder einen neuen Steh- und Chilloutbereich auf der Tribüne mit dem Gefühl selbst mitten am Centercourt zu stehen. Damit bieten wir noch nicht 100% beachvolleyball-affinen Gästen die Möglichkeit, direkte Centercourtluft zu schnuppern. Leistungsstarke Ton- und Technikanlage ist gut im Stadion versteckt. Wir verzichten zum Beispiel auch auf eine zweite Bandenreihe. In Baden leben wir „Beachvolleyball hautnah!„, der Gast in der ersten Reihe muss den Sand im Gesicht spüren können!

Das gesamte Event und das Stadion sind auf Sand gebaut, im wahrsten Sinne des Wortes. Was bedeutet das statisch und für den Aufbau selbst?

Hold: Das ist richtig. Wir bauen das Stadion auf einer 1.800 Quadratmeter großen Sandfläche. Das ist eine ganz besondere Herausforderung. Jeder Schritt ist anstrengend. Egal ob es heiß, kalt, nass oder trocken ist. Die Stapler fahren mit speziellen Reifen, Bagger mit Raupen. Die LKW-Fahrer müssen da sehr erfahren agieren. Das eine oder andere Mal mussten wir auch schon stecken gebliebene Baufahrzeuge bergen. Aufgrund der engen Zufahrtsmöglichkeiten muss beispielsweise auch jeder Sattelschlepper erst auf kleinere LKWs umgeladen werden die sich dann zentimetergenau aufs Gelände schlängeln. Mit jedem Zwischenfall riskiert man den extrem straffen Zeitplan im Aufbau.

Der gesamte Aufbau steht auf Sand. So kurios es klingen mag, gespielt wird dann letztlich nicht auf dem vorhandenen „Strandsand“, sondern auf einem eigenen Spezialsand!?

Hold: Klingt kurios, ist aber tatsächlich so. Der Strandsand und der Spielsand sind zwei komplett unterschiedliche Kapitel und dürfen sich auch nicht vermischen. Es muss daher eine eigene Rahmenkonstruktion und eine spezielle Trennschicht zwischen bestehender Sandfläche und unserer sogenannten „Sandkiste“ am Centercourt gebaut werden. Allein für den Centercourt werden 320 Tonnen Spezialsand benötigt! Um allen Reglements vom Verband gerecht zu werden sind für alle Plätze im Zeitraum des Turniers insgesamt rund 360 Tonnen Spezialsand notwendig. Dieser Spezialsand ist aber aufgrund der feinen Körnung völlig ungeeignet zum Sandburgen bauen, was allerdings wiederum das restliche Jahr über die Anforderung an die Sandfläche ist.

Insgesamt sind es rund 16 LKW-Ladungen Sand und 2 Bagger, die über zwei Tage im Akkord im Einsatz sind. Nach der Veranstaltung wird der Sand teilweise für bestehende Beachvolleyballplätze verwendet, aber der Großteil wird wieder abtransportiert und verkauft. Dieses Jahr wären übrigens noch einige Tonnen zu haben.

Die Courts werden von internationalen Größen des Beachvolleyballs bespielt. Was bedeutet es für den Veranstalter über mehrere Tage internationale Top-Spieler zu hosten und zu betreuen?

Hold: Dieses Jahr hatten wir eine besondere Situation, da wir gleich zwei große Turniere in Baden veranstalteten. Am zweiten Wochenende die U18 EM mit über 200 SpielerInnen und nochmal so viel Betreuungspersonal und am ersten Wochenende das World Tour Baden Open mit den Top Spielerinnen und Spielern der Welt.

Der Aufwand ist da natürlich enorm! Wir reden hier von vielen tausend Nächtigungen über den Zeitraum von fast drei Wochen und gleichzeitige Verköstigung für hunderte Menschen täglich. Ein eigenes Team im Hintergrund kümmert sich zum Beispiel nur um das Shuttlemanagement. Das betrifft alle Transfers zwischen dem Flughafen Schwechat und der Stadt Baden sowie letztlich innerhalb der Stadt vom Eventvenue zu den Quartieren und Terminen der SpielerInnen. Viele Teams reisen gerne bereits früher an und nützen die perfekten Trainingsmöglichkeiten in Baden. Neben dem Shuttlemanagement erfordert auch das Foodservice und das Booking von Hotels und Flügen sehr professionelle MitarbeiterInnen. Große Unterstützung bekommen wir dabei von unseren lokalen Partnern in der Hotellerie und Gastronomie aus Baden.

Neben den Sportlern gilt es ja auch ein Heer an Offiziellen, Schiedsrichtern, Technikern, Ballkindern, etc. zu hosten und zu verpflegen.

Hold: Von europäischen Verband Technical Supervisor, Technical Supervisor Ass., Referee Delegate, Referee Delegate Assistant, Medical Delegate, Press & Social Media Delegate, einen President Refereeing Com., zehn Neutral Referees, zehn Local Referees, einen Refereeing Manager, Competition Director und sein fünfköpfiges Team, zwei Runner, vier Courtmanager, ein Trainingsmanager, dreißig Line Judges, Scorer und Raker.

Dafür haben wir eine tolle Partnerschaft mit den Volleyballteams Südstadt, Mödling, Perchtoldsdorf und dem Gymnasium Gainfarn. Von dort kommt jedes Jahr ein über 100-köpfiges Team mit Courtmanagern, Ballrollern, Ballkindern usw. Ohne deren Unterstützung wäre es gar nicht möglich. Dafür sind wir sehr dankbar!

Wir haben aber auch eine Vielzahl an professionellen Firmen und Teams. Dazu gehören: die Tribünenfirma, die Zeltfirmen, Bodenleger, Tischler, Teppichleger, Techniker, ein zehnköpfiges Team für die Auf- und Abbauarbeiten von Möbeln, Kühlgeräten, Gastronomie, Bannering, Nationenflaggen, eine Sicherheitsfirma, bis zu 10 ÄrztInnen und PhysiotherapeutInnen, ein großes Serviceteam bei der Gastronomie, ein Shuttle Team mit eigenem Fuhrpark.

Unmittelbar dann natürlich unsere CheckIn Mädels, die für die korrekten Akkreditierungen und einen reibungslosen Ablauf am Eingang sorgen. Ein eigenes Organisations- und Entertainmentteam und sechs Moderatoren und DJs sorgen für die heiße Stimmung im Stadion und auf den Sidecourts.

Ein professionelles und international erfahrenes Presseteam sowie ein Top Team für die Filmproduktionen und Livestreams sorgen für die Bilder nach außen für alle, die es nicht ins Stadion geschafft haben.

Zehn Tage lang gastiert ein internationales Top-Sportevent in Baden. Das bedeutet auch eine immense Wertschöpfung für Baden und die gesamte Region!

Hold: Ja definitiv, neben tausenden Nächtigungen und tausenden BesucherInnen ist der Werbewert für die Stadt Baden enorm. Eine unabhängige Agentur hat im Zuge des Events einen gemessenen Werbewert von einer Million Euro ermittelt! Über 300 Presseartikel und unzählige Stunden TV-Berichterstattung erwirtschaften eine irrsinnige Reichweite für den Beachvolleyballsport und natürlich auch für die Stadt Baden.

Nach vielen Jahren setzt man vermutlich auf langjährige, verlässliche Partner in der Umsetzung. Vielleicht aber auch auf neue Innovative. Möchtest du einige Beispiele nennen?

Allen voran möchte ich natürlich das Sportland Niederösterreich als langjährigen und absolut verlässlichen Partner herausstreichen. Darüber hinaus arbeiten wir seit Jahren mit einigen Top-Unternehmen Österreichs zusammen wie Hypo NÖ, TUI, Autohaus Keglovits, Kinzer Fruchtsäfte, Römerquelle, Baumeister Steurer, Red Bull, ÖBB, Druck.at, Eskimo, Niederösterreichische Versicherung, NÖN, Cineplexx, ORF, Krone Hit, Laola1.at, volleyballdirekt.at, NÖM, Schumits, Radatz, Backhaus Annamühle, At the Park Hotel, Zipfer, Lautstark Lichtstark. Um nur einige zu nennen.

Im Stadionbau vertrauen wir seit vielen Jahren auf die Expertise von Nüssli, im VIP Catering vertrauten wir heuer zum Beispiel erstmals auch ganz lokal auf die Qualitäten des „Amterl“ aus Baden, die Zusammenarbeit war perfekt und unsere Gäste waren begeistert.

Teaser und Aufbau des CEV Baden 2016 – Video produziert von Gassner Film

Vielen Dank für das Gespräch und den Blick hinter die Kulissen bzw. „unter die Tribüne“. Wir freuen uns auf die nächsten Events professionell umgesetzt von Vision05!

Alle Infos zum Event bzw. zur Austragung 2020 gibt es bald auf www.beachvolleyball-baden.at

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