WKO Wien glaubt an die Eventbranche – durch Entwicklung aus der Corona-Krise

Dank neuer Perspektiven, Geschäftsmodelle und einem neuen Bewusstsein in der Gesellschaft, glauben die VertreterInnen der WKO Wien an die Chancen der Veranstaltungsbranche in der Corona-Krise. In der Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe der Wiener Wirtschaftskammer zählt die Eventbranche mit mehr als 1.500 Mitgliedern zur größten Berufsgruppe.

Gerti Schmidt, Obfrau der Fachgruppe, bewertet die Corona-Krise auch als Zeit der Erkenntnisse. Im Moment sei die größte Herausforderung die Rechtssicherheit, um entsprechend disponieren und planen zu können, so die Obfrau: „Digitalisierung kann auf Sicht zwischenmenschliche Kommunikation nicht ersetzen. Die Befragungen (Gallup u.a ) zeigen, dass mehr als 80 Prozent der Menschen den direkten Kontakt zu anderen während des ‚Shutdowns‘ vermisst haben. Die Eventbranche, die viele Berufsgruppen auch vereint, sehe ich daher auch als wesentliches Zugpferd für die Zeit ’nach Corona’“, so Gerti Schmidt. Erik Kastner, Obfrau-Stellvertreter sowie Eventmanager, ist gemeinsam mit seiner Kollegin Ursula Müllner, ebenfalls Obfrau-Stellvertreterin und Unternehmensberaterin, mit BranchenkollegInnen in regem Austausch, um Chancen aus der Krise zu ziehen.

Mehr regionale Wertschöpfung: Green Events stärker im Fokus

Für die Event-Expertin und Obfrau-Stellvertreterin Ursula Müllner ist die Planungsunsicherheit die größte Herausforderung. „Wir können noch nicht abschätzen bzw. wissen nicht, ab wann und in welcher Form (Anzahl der TeilnehmerInnen, Indoor, Outdoor) es wieder möglich sein wird, Veranstaltungen durchzuführen“. Als positiven Effekt sieht sie jedoch ein neues Bewusstsein.

„Bedingt durch die Krise und die Sicherstellung der Versorgung rückt die Regionalität wieder mehr in den Focus. Die Stärkung unserer regionalen Wirtschaft und dadurch die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung ist nun ein wichtiger Aspekte der aktuellen Situation.“, so Ursula Müllner. Bei Green Meetings und Events sind diese Aspekte jedoch keine Neuheit. Green Meetings / Events zeichnen sich ja dadurch aus, dass die Nachhaltigkeit in allen Aspekten berücksichtigt wird, von der Ökologie über soziale Aspekte bis hin zur Einbeziehung der Wirtschaft bzw. regionaler Unternehmen vor Ort.

Zukünftig wird es noch wichtiger werden, vor allem die Regionalität noch stärker zu betonen – im Hinsicht von regionalen Veranstaltungen, wo weite An- und Abreise der Teilnehmenden wegfallen und der Einbeziehung regionaler Unternehmen als Lieferanten und Partner.

KR Gerti Schmidt ist überzeugt, dass es in Zukunft noch wichtiger sein wird, für Events professionelle Plattformen des Austausches und der Vernetzung zu schaffen.

Zusammenrücken in der Branche – Solidarität der KundInnen

In diese Kerbe schlägt auch die die Eventexpertin und Moderatorin Marie-Louise Prinz: „Ich denke, jede Branche wird aus der Krise etwas mitnehmen. Vor allem sehen wir jetzt, wie schnell sich die Umwelt von den bisherigen Strapazen ‚erholt‘. Green Meetings und Events haben aus meiner Sicht wieder eine ’neue Chance‘, ein ’neues Argument‘ gegenüber den Kunden. Denn die Notwendigkeit, die Natur und Umwelt auch im Event-Bereich weitgehend zu unterstützen, ist in Corona-Zeiten sichtbar geworden“.

Auch Michael Müllner, Eigentümer einer großen Agentur, kann auf diese Erfahrung zurückgreifen: „Wir pflegen Kontakte mit unseren Zulieferern. Am meisten Solidarität erleben wir eigentlich von unseren Kunden“, stellt Michael Müllner diese Erfahrung in Vergleich zu früheren Krisen: man beginne, an neuen Formaten zu arbeiten und er erwarte interessante Entwicklungen. Gleichzeitig spüre er die steigende Wertschätzung des „echten zwischenmenschlichen Kontakts“.

Neue Meeting-Kultur

„Webinare und Videokonferenzen (VC) hat es in den vergangen Jahren (wir machen das seit ca. 5 Jahren in größerem Rahmen auch international) schon gegeben. Wir erleben das nur insofern anders, als die VC jetzt (u.a. auch durch Home-Office-Aktivitäten) in alle hierarchischen Ebenen vorgedrungen sind. Früher hat man sich getroffen, jetzt gibt es eine VC. Dabei hilft sehr, dass die VC-Produkte (angebotene Software etc.) besser werden, die Entwicklung wird daher für die Zukunft einen positiven Aspekt haben. So schnell wird keiner mehr wegen eines 3-Stunden-Meetings nach München fliegen – das geht in Zukunft sicher via VC“, fasst Obfrau-Stellvertreter Erik Kastner seine bisherigen Erfahrungen der letzten 6 Wochen zusammen.

Webinare in der Weiterbildung

Marie-Louise Prinz sieht die Möglichkeiten der Videokonferenzen vor allem in Hinblick auf persönliche Fortbildung und Training. „Wenn wir von unserer eigenen Fortbildung sprechen, dann haben Webinare durchaus Anklang gefunden und werden genützt. Viele UnternehmerInnen haben keine Zeit, zu Vorträgen zu fahren, jetzt haben sie digitale Möglichkeiten zur Weiterbildung“.

Ursula Müllner sieht in Videokonferenzen und Webinaren zwar eine Möglichkeit, Meetings und Schulungen abbilden zu können, gibt jedoch zu bedenken, dass „gelungene Veranstaltungen sich auch dadurch auszeichnen, dass sich TeilnehmerInnen gut mit anderen vernetzen.“

Neue Formate entwickeln

Mit internen Arbeitsgruppen will Michael Müllner neue Formate und Szenarien entsprechend der gesetzlichen Freiräume entwickeln, teilweise in sehr enger Kooperation mit KundInnen. „Ich bin jedenfalls überzeugt, dass unser Business danach anders aussehen wird. Gerade im Meeting-Bereich wird sich einiges an Geschäft nicht mehr zurückholen lassen und weiterhin auf elektronischen Plattformen abgewickelt werden. Andererseits wird sicher die Wertschätzung gegenüber dem „echten zwischenmenschlichen Kontakt“ steigen“, so Müllner abschließend.

Learnings aus der Krise

Marie-Louise Prinz sieht in der augenblicklichen „Pause“ auch die Chance einer kreativen Phase: „Wir können neue Ideen entwickeln und abgelegte Projektpläne anpassen“. Neben berechtigter Sorge um BranchenteilnehmerInnen können sowohl Erik Kastner als auch Ursula Müllner über Solidarität innerhalb der Branche berichten. „Ein Zusammenrücken ist zu spüren, egal ob groß oder klein, es wird viel mehr Augenmerk auf lokale AnbieterInnen gelegt“, so die Event-ExpertInnen. Es sei jetzt der Moment einer wichtigen Solidarität, da jeder und jede betroffen sei, und daher wäre nun auch kein Platz für Selbstdarstellung oder Egoismus, plädieren die beiden Fachleute. Kastner zufrieden: „Caterer helfen und produzieren für viele ohne Kosten. Menschlichkeit zeigt sich an vielen Beispielen, diese
Hilfsbereitschaft innerhalb und außerhalb der Branche habe ich noch nie erlebt.“ Auf die Frage, welche neuen Geschäftsmodelle nach der Corona-Krise in der Eventbranche entstehen könnten, meint Michael Müllner: „Ich glaube, dass der Run der letzten Jahre auf immer mehr Technik massiv zurückgehen wird. Unser Job wird mehr etwas von ‚Mediation‘ haben als vom Erzeugen atemlosen Staunens“.

 

Artikelfoto: Henning WesterkampPixabay

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